Ein ganz normaler Freitag Morgen

Levi wartet schon

Sechs Uhr. Mein Wecker klingelt in einer halben Stunde, aber ich bin schon wach. Neben mir liegen meine Frau und Baby Nico und schlafen. Ein hoch auf das selektive/männliche Gehör – ich habe vom Baby heute Nacht mal wieder nichts mitgekriegt. Es war eine Weile lang wach und fröhlich, berichtet man mir später.

Es wäre so clever, jetzt schon aufzustehen, den Tisch zu decken (manchmal, aber nicht immer mache ich das schon am Vorabend), selbst in die Gänge zu kommen und dann das kleine Kita-Kind zu wecken – und das andere Kita-Kind eventuell auch entwas anzuschieben.

Unsere großen Söhne sind fantastisch (das sind sie alle, aber ich will gerade auf etwas spezifisches hinaus): Milan und Julius, fünf und sieben Jahre alt, bewohnen seit einer Weile ein Kinderzimmer im zweiten Stock gemeinsam und Julius hat für die Schule einen Wecker. Und tatsächlich stehen beide auf und ziehen sich an, wenn dieser Wecker klingelt – und kommen dann zum Frühstück herunter. Es klappt eigentlich immer. Wow!

Nur Milan braucht ein wenig Extra-Motivation, vielleicht ist er der Morgen-Muffel. Wer könnt’s ihm verdenken? Ich liege ja schließlich auch noch im Bett, anstatt meinen Vorteil zu nutzen. Ich schaffe es sogar noch, drei Minuten nach meinem Wecker noch im Bett zu liegen. Dann aber hoch und los.

Denn: Levi, drei Jahre alt, kommt ins Schlafzimmer geschlurft. Ich haste aus dem Bett und nehme ihn wieder mit rüber in sein Kinderzimmer (Eltern, Baby und Levi schlafen im ersten Stock) – Mutter und Baby schlafen schließlich immer noch.

Von oben höre ich die Toilette. Das ist gut, irgendwer ist also schon wach. Levi möchte auf’s Klo, also machen wir das. Als er auf der Schüssel sitzt, schluchzt er: am vergangenen Samstag hat er im Wald ein klitzekleines Stück Honigwaffel fallen lassen, das er jetzt vermisst. Zwei Tränen kullern über seine Wangen, ich tröste und versuche zu erklären, dass dieses Stück Honigwaffel wohl für immer verloren ist. Die Deeskalation gelingt, und das Anziehen auch.

In der Kita gibt es freitags Müsli zum Frühstück, meistens frühstücken die Kita-Kinder aber Zuhause auch schon mit. Also heute bei uns Brot und Toast. (Notiz am Rande: Vollkornbrot ist schlecht für Papas Kalorien-Bilanz)

Levi und Julius beginnen schon mit Marmeladen-Toast, aber Milan ist noch oben. Es ist 07:12 Uhr, wer in Ruhe frühstücken will, sollte damit bald beginnen.

Aber immerhin: Milan ist schon aus dem Bett und bei der Morgentoilette. Weniger später stößt er zu uns, liegt aber zwei Toast zurück.

Ich packe Julius zwei Bananen in den Rucksack („Papa! Eine Banane ist zu wenig!“) und bringe die gelben Säcke raus. Die Papier- und Bio-Tonne verschiebe ich auf später, die Müllabfuhr kommt normalerweise nicht vor Mittag, aber bei den gelben Säcken weiß man nie.

Zurück am Frühstückstisch entferne ich einige Schichten Marmelade aus Levis Gesicht und von seinen Händen und schicke den großen in den Flur, sich fertig zu machen. Ganz ehrlich: in solchen Momenten vergesse ich gelegentlich das Zähneputzen. Julius macht es aber ganz von selbst. Und dann sitzt er auf dem Klo und summt Beethovens Neunte, weil die im Tip-Toi-Buch „Musik“ vorkommt. Lustig, aber wir haben doch keine Zeit.

Milan hat zwischenzeitlich aufgeholt und ist auch mit dem Frühstück fertig. Er hat lange Haare bis fast zum Po, aber die Zopfgummis und die Bürste packe ich heute in die Tasche, denn meine Smartwatch hat mich zwischenzeitlich zum zweiten Mal daran erinnert, dass eine Abreise zur Schule jetzt angebracht wäre.

Ich helfe Levi beim Anziehen (er kann einen tollen Trick, um sich die Jacke selbst anzuziehen, den er in der Kita gelernt hat, aber heute will er mir den Trick nicht zeigen) und auch Milan braucht etwas Anschub, aber wenig später steigen alle in unser Bellabike, das praktischerweise und zum Glück direkt vor der Haustür steht. (Was ein Bellabike ist, lest ihr im bakfiets.blog, meinem anderen Blog).

Nicht selten fährt Julius die Strecke zur Schule selbst auf seinem neongelben Kinder-Fahrrad. Er hat auch einen Tacho und seither schon über 500 Kilometer gefahren – er könnte es euch auf den Kilometer genau sagen, genau so wie er die Einwohnerzahlen von Dortmund, Duisburg oder Essen aus dem Ruhrpott-Quartett auswendig kennt.

Heute aber passt es mir aufgrund der nachmittäglichen Logistik ganz gut, dass alle drei Jungs im Fahrrad Platz nehmen und ich den Chauffeur geben darf. Wir sausen zur Schule, setzen Julius ab (es hat noch nicht geschellt, aber die Schüler drängen sich bereits auf der Treppe) und weiter geht’s zur Kita.

Natürlich kürze ich durch den Südpark ab. Das mache ich immer. Die Straßenverkehrsordnung von morgen, schon heute – das ist mein Slogan.

Auch das Abliefern in der Kita geht reibungslos über die Bühne. Das ist nicht immer so, besonders Levi macht gerne Theater und möchte sich nicht trennen. Er liebt seine Eltern einfach so. Was er ja nicht weiß, ist, dass die Erzieherinnen uns hinterher immer verraten, dass er sein Theater sofort aufgibt, sobald Papa oder Mama tatsächlich gegangen sind und fröhlich anfängt, zu spielen. Ganz zu schweigen davon, dass das Abholen natürlich regelmäßig zu früh ist.

Und nun zum Kaffeefreund auf eine kleine Pause. Seine Bäckerin stellt mir ein Stück ihres köstlichen Kuchens hin. Eigentlich hatte ich ihn nur bewundert, aber sie ist offenbar eine gute Geschäftsfrau. Und sie hat ja auch Recht, ich wollte dieses Stück Kuchen. Allerdings ist das wieder ganz schlecht für meine Kalorien-Bilanz. (Später am Nachmittag bin ich 27,33km Rennrad gefahren, puh, alles wurde gerettet)

Aber da fragt meine Frau schon per WhatsApp: „Wann kommst du eigentlich nach Hause?“ Sie liegt immer noch mit Nico-Baby im Bett, würde nun aber auch gern mal frühstücken und duschen.

Also ab nach Hause, wo ich mir den Klein(st)en schnappe und mit dem Kinderwagen losziehe. Zurück zum Kaffeefreund, diesmal mit Geld, zum bezahlen. Und dann noch in das ein oder andere Geschäft.

Und jetzt gerade stehe ich und tippe auf meinem Laptop. Dafür habe ich mir einen Stehtisch improvisiert, indem ich meine Soundboks (ein großer Lautsprecher, für alle, die nicht sofort Googeln wollen) auf den Couchtisch gestellt habe. Nico ist im Tragetuch, seit kurz nach vier, aber er schläft noch seelenruhig. Ich habe etwas Musik an, nachdem mir beim Staubsaugen aufgefallen ist, dass er die Stille, seit Mama die großen Brüder ins Bett bringt, gar nicht so sehr mag.  Außerdem kann man im Takt hin und her wippen, das mag er auch.