Mein ökologisches Leben: Geständnisse an der offenen Kühlschranktür

Heute habe ich einen kleinen Tweet abgesetzt, der ein paar Eckdaten zur Nachhaltigkeit unserer kleinen Großfamilie (großen Kleinfamilie?) enthielt. Eigentlich nur so, als trotzige Reaktion, weil ich irgendwo in meinem Twitter-Feed einen Link zu einem Artikel gefunden hatte, der herausstellen sollte, warum es so schwierig sei, nachhaltig zu sein.

In keinem der Bereiche, in dem wir nachhaltig aufgestellt sind, empfinde ich das als schwierig. Im Gegenteil: es ist ein Gewinn.

1. Kein Auto

Vor der Geburt unseres ersten Sohnes Julius im Sommer 2009 hatte ich mir in den Kopf gesetzt, ein Bakfiets haben zu wollen. Klar, das Fahrradfahren ist in Münster alltäglich, dennoch sah man diese Art von Fahrrad damals noch selten auf den Straßen. Zwischenzeitlich hat sich das geändert, und aus dem Mittel zum Zweck ist eine Leidenschaft geworden (von der ich regelmäßig im Bakfietsblog berichte). Seit 2011 leben wir in der Autofreien Siedlung Weißenburg, einem Wohnviertel in Münsters Süden, dessen Anwohner sich freiwillig zum Verzicht auf ein eigenes Auto verpflichten. Für den gelegentlichen Bedarf – bei uns sind das Urlaube oder Großeinkäufe – „groß“ im Sinne von Möbeln oder anderen Dingen, die wirklich nicht auf ein Lastenrad passen – gibt es eine Car-Sharing Station direkt am Eingang der Siedlung.

2. Naturstrom – „Ich lade mein Smartphone – leider geil“

Ich habe zwar (noch) kein Fairphone, aber immerhin nicht jedes Jahr ein neues Gerät. Da könnte ich mich sicherlich noch verbessern … Immerhin: meinen letzten Laptop hatte ich über 10 Jahre in Betrieb, bevor ich ihn ersetzt habe. Das dürfte weit über Durchschnitt liegen. Für diese und all unsere anderen elektrischen Geräte beziehen wir Naturstrom aus Wind- und Wasserkraft. Sonst nichts. Und ich bin jedes Mal überrascht, wenn ich in Online-Rechnern den Basisverbrauch für eine Vierköpfige Familie mit 4.000 Kilowattstunden angegeben finde. Wir haben einen deutlich geringeren Verbrauch – zu fünft etwa 35% weniger.

3. Milch und Cola in Glasflaschen

Ich bin ein Cola-Junkie. Unheimlich gerne trinke ich die zuckerfreie Variante, aber ebenso missfiel mir stets das Geschäftsgebaren des großen Herstellers dieses Getränks, deren Präferenz für die PET-Einwegflasche und Nestlé-ähnliches Vorgehen, wenn es um Wasserressourcen geht. Glücklicherweise habe ich da seit einer Weile einen Ausweg gefunden, ein günstigeres Produkt in Mehrweg-Glasflaschen und wie ich finde sogar besserem Geschmack. Auch bei Milch mache ich mir die Mühe und kaufe sie in Glasflaschen. Wasser aus dem Hahn in den Sprudler. Und auch sonst versuchen wir auf Einweg zu verzichten.

4. Niedrigenergiehaus mit Fernwärme

Ich habe keine Ahnung, nach welchem Standard, aber alle Gebäude in der Autofreien Siedlung sind freundlicherweise ziemlich gut gedämmt. Das führt dazu, dass wir selbst im Winter nur wenig Heizen möchten. Große, bodentiefe Fenster zur Südseite lassen an sonnigen Wintertagen so viel Licht hinein, dass dies allein schon für einige Wärme sorgt. Und für den Rest haben wir Fernwärme aus dem GUD-Kraftwerk der Stadtwerke Münster.

5. Stoffwindeln

Damit hat meine Frau angefangen und ich war am Anfang sehr, sehr skeptisch. Aber Nico ist nun unser zweites Kind, das in Stoff gewickelt wird, und der Unterschied in der Restmülltonne ist gigantisch. Klar, es fallen mehr Wäschen und auch Trocknergänge an. Aber die Energie ist Naturstrom, und Wasser ist eine rückgewinnbare Ressource. Deutlich besser also, als tausende Windeln, die im Leben eines Kleinkindes zusammen kommen, auf Halden zu stapeln.

6. Bio, regional, vegetarisch

Meine Frau ist seit ihrem 13. Lebensjahr Vegetarierin, ich hatte niemals Fleisch im gemeinsamen Kühlschrank. Ich bin allerdings auch ein extrem seltsamer Esser, vieles Fleisch – besonders das „gute“ – hat mir nie geschmeckt, mir mundeten stets nur Burger oder Bratwurst. Und so habe ich den Fleischkonsum mit Geburt unseres dritten Sohnes am 02. Januar 2014 an den Nagel gehängt und bereue es eigentlich nur, wenn mir mal jemand eine leckere Sucuk-Wurst unter die Nase hält. Ihr merkt schon, das war ein Neujahrsversprechen, eigentlich hatte ich entschlossen, auf die Cola zu verzichten, aber das erschien mir binnen 24 Stunden unmöglich, und dann habe ich da ja auch eine bessere Lösung gefunden. Unsere Einkäufe sind nicht immer oder ausschließlich Bio. Ich schaue da auch lieber auf die Verpackung oder die Herkunft. Wenn ich eine Paprika lose bekomme, während die Bio-Paprika in Folie verpackt ist, nehme ich die lose Paprika. Wenn ich Kartoffeln aus Deutschland kaufen kann, während die Bio-Kartoffeln aus Ägypten kommen, nehme ich die deutschen Kartoffeln.

Natuurcamping De Roos

Wir sind offenbar eine Camping-Familie. Und das nicht nur, weil man es mit vier (Klein-)Kindern einfach schwer hat, passende Appartments oder Hotels zu finden oder gar zu bezahlen, nein, das Zelten ist meiner Frau und mir auch in die Wiege gelegt, wir verbrachten beide viele Familienurlaube auf Campingplätzen.

Baden in der Vechte

„Natuurcamping De Roos“ weiterlesen

Vom Einkaufen

Auf dem kleinen Wochenmarkt bei uns im Viertel

Mit Nicos Geburt bin ich in Elternzeit gegangen – für zwei Monate. Aber warum eigentlich? Besonders viel Hilfe benötigt meine Frau gar nicht, sie kann das ganz gut. Und stillen kann ich sowieso nicht. Aaaaaaber … „Vom Einkaufen“ weiterlesen